Yoshi’s Island DS Review / Test

Jörg Neißer, 17. April 2007 22:18 Uhr, 1 Kommentar Kommentare

Vor ungefähr elf Jahren erschien für das Super Nintendo ein Jump and Run, dass die Videospielewelt in Verzückung versetze. Für manche ist es das beste Mario aller Zeiten, obwohl unser Klempner auf dem Rücken von Yoshi “mitgeschleift” wurde und nur in einigen speziellen Level-Abschnitten die Wände hochgehen durfte. Alles an diesem Spiel schrie “Perfektion”. Die zuckersüße aber nicht kindliche Grafik, die mit ihrem unwiderstehlichen Kreide-Look einen einmaligen Wiedererkennungswert besitzt, der bis heute unerreicht ist. Das perfekte Leveldesign. Die Geräusche, die sich unlöschbar in unsere Gehörgänge gebohrt haben. Und natürlich die Mario-übliche Genauigkeit, mit der Yoshi durch die 6 Welten und 48+ Levels gesteuert werden durfte. Entsprechend groß war wohl auch die Euphorie bei jedem der damals schon seinem Hobby frönte, als Yoshi’s Island DS angekündigt wurde. Die Versprechung eines DualScreen Features und verschiedenen Reitern hörte sich nach der ultimativen Weiterführung (nicht Fortsetzung) des vielleicht besten Old-School Hüpfspieles an.

Die ersten 30 Minuten
Nach dem Start fühlt man sich sofort wie zuhause. Die ersten Levels bieten nichts wirklich Neues. Es sind zwar beide Schirme beleuchtet, aber anfangs ist noch nichts von einer Weiterentwicklung des Spielprinzips zu merken. Alles findet sich 1:1 wieder, wie im Original.
Yoshi kann hüpfen, und bei nochmaligen Drücken des Sprungknopfes mit den Beinen zappeln. Auf diese Weise kann er 1. länger in der Luft bleiben (mit dem richtigen Timing beliebig oft zu wiederholen) und 2. Abhänge erreichen, die ein klitzekleines bisschen höher liegen. Gegner werden wahlweise mit beherztem Sprung auf die Rübe erledigt oder mit der Zunge einverleibt. Jetzt können sie entweder auf andere Gegner gespuckt, oder geschluckt werden. Verdaut quasi, denn Yoshi verwandelt die geschluckten Gegner in Eier, von denen er maximal 6 bei sich tragen kann. Diese wiederum können als Wurfgeschosse benutzt werden, um sowohl Gegner als auch alles andere damit abzuschießen (Münzen, Blumen usw.) und damit einzusammeln.

Zeitlimit im eigentlichen Sinne gibt es keines. Aber wenn ihr euren Reiter verliert, habt ihr maximal 30 Sekunden Zeit, diesen wieder einzufangen. Ansonsten droht der Verlust eines Lebens. Obacht! Wenn ihr die Level mit 100 Punkten abschließen wollt, dürft ihr eure Begleiter nicht allzu oft aus dem Sattel lassen, denn diese Sekunden sind gleichbedeutend mit den Sternen, die ihr bis dato gesammelt habt. Und am Ende des Levels werden genau 30 benötigt.
Auch die Verwandlung in einen Hubschrauber und Maulwurf ist wieder mit von der Partie, auch die Bonusabschnitte, in denen sich die Helden zu Fuß auf den Weg machen. Die Übersichtskarten der Welten, auf denen der genaue Punktestand verzeichnet ist, sind genauso vertreten wie die freizuspielenden Bonuslevel. Selbst die Grafik gleicht bis auf den letzten Pixel dem Original. Also doch nur ein Update?

Die nächsten 30 Minuten
Dann das erste neue Element, ein kleiner Bonus Abschnitt. Man nimmt in dem Beutel eines Känguruhs Platz und hüpft vom unteren Schirm auf den oberen, auf dem sich die Münzen befinden. Schon ganz nett, aber da geht doch bestimmt noch mehr. Allerdings! So ab dem 5. Level geht’s dann los. Die neuen Spielelemente werden langsam nacheinander in das bestehende Konzept eingefügt. Zuerst nimmt wahlweise Baby-Princess-Peach auf Yoshi’s Rücken Platz. Mit ihrem Schirm kann sie den Auftrieb von Luftströmen nutzen, um in höhergelegene Level-Gefielde vorzudringen. Manchmal ist das nötig, um einfach nur das Level abzuschließen, aber genauso kann man nun auch in vorherigen Leveln Areale erforschen, die zuvor nicht zugänglich waren. Es nützt also meist nicht viel, wenn man beim ersten Versuch das Level mit 100 % abzuschließen versucht, da man noch nicht die benötigten Charaktere inklusive ihrer Fähigkeiten freigeschaltet hat.

Schwerwiegender Schwierigkeitsgrad
In diesem Zusammenhang kommen wir nun auch kurz auf den Schwierigkeitsgrad zu sprechen. Wer einfach nur das Level abschließen will, hat nicht allzu viel Probleme dieses Ziel zu erreichen. Das macht natürlich auch viel Spaß, aber so ist das Ende relativ schnell erreicht. Natürlich erwarten euch auch so genügend Rätsel, die ihr mit den Helden der Mario Sippe lösen könnt. Aus dieser Perspektive gesehen, ist das Spiel allerdings nicht allzu schwer.
Das wahre Spielvergnügen entfaltet sich bei dem Versuch, alle Levels mit 100% abzuschließen. Hier trennt sich die Spreu vom Weizen. Dieses Ziel erreichen nur wahre Joypad und Hüpfspiel Profis! Es gilt nämlich in jedem Abschnitt 30 Sterne, 20 Rote Münzen, 5 Sonnen und (neu) eine Münze mit einem Helden Alter-Ego aufzuspüren, die auch nur erscheint, wenn man mit der richtigen Figur unterwegs ist.

Desweitern verbergen sich 10 Minispiele in den Levels, die nach ihrer erstmaligen Entdeckung im Menü direkt anwählbar sind und zur Highscore Jagd einladen. Hier werden konsequent alle Spielelemente ausgereizt und hier zeigt sich auch wie ausgeklügelt diese wirklich sind. Man kann sich immer noch ein Quäntchen steigern, egal wie oft man es schon probiert hat. Die Steuerung funktioniert perfekt damals wie heute – so sieht zeitloses Design aus. Die ganze Mühe lohnt sich natürlich, denn es lassen sich insgesamt 12 (2 je Welt) Levels freischalten, die euch dann aber auch die allerletzten Fähigkeiten abverlangen.

Echte Vielfalt
Noch einmal zurück zu den neuen Spielelementen. Sobald man Princess Peach in seinen Reihen hat, entwickelt das Spielgefühl eine völlig neue Dimension. Mit Hilfe der Luftzüge (durch Ventilatoren erzeugt) schwebt ihr vom unteren auf den oberen Schirm, von links nach rechts, kreuz und quer durch die Luft und wieder zurück. Dabei droht das Spielfeld aus den Grenzen des kleinen Displays auszubrechen, die Levels wirken durch den ständigen Wechsel zwischen den Schirmen unheimlich riesig. Sobald ihr das Früchtchen steuern könnt, erscheint nun an allen relevanten Stellen das Symbol eines Storches, an dem ihr euren Reiter jederzeit und sofort wechseln könnt. Und dieses Feature fließt ab diesem Punkt auch massiv in das Leveldesign mit ein. Hier haben die Entwickler von Artoon wirklich einen exzellenten Job gemacht, mit einer einzigen Ausnahme: Manchmal braucht man am Anfang eines Levels eine bestimmte Fähigkeit. Diese muss man sich aber erst durch das komplette Durchspielen eines Levels erarbeiten. Den Reiter schnappen und dann zurück zur Karte schalten funktioniert leider nicht.

Wo wir auch schon beim einzigen weiteren Kritikpunkt wären, der mich wirklich stört (das war aber auch im Vorgänger schon der Fall). Die fliegenden Shy Guys mit den roten Münzen, die nur eine bestimme Zeit am Himmel verweilen und dann auf nimmer Wiedersehen verschwinden. Dieses Element ist viel zu frustig und passt nicht so recht in den Spielfluss, der ansonsten eher verzeihend denn bestrafend ist. Ihr erarbeitet euch jedes einzelne Pünktchen in mühevoller Kleinarbeit, nur um dann kurz vor Ende des Levels diesen vermaledeiten Heini nicht zu erwischen und schon dürft ihr das komplette Level nochmal von vorne beginnen. Die ganze Arbeit war umsonst. Ein Wunder das mein DS noch Heile ist… Das sind aber auch die beiden einzigen Kritikpunkte die man wirklich als störend erwähnen könnte. Die weiteren Fähigkeiten und Charaktere will ich hier nicht beschreiben, weil es mehr Spaß macht, diese nach und nach selbst zu entdecken.
Neu hinzugekommen ist noch ein Museum, das wie eine Art Zoo fungiert. Hier können alle Gegner die schon einmal besiegt wurden in ihrem natürlich Habitat angeschaut und mit ihnen interagiert werden. Ein sehr nettes Feature, hier scheinen auch noch einige Geheimnisse auf ihre Entdeckung zu warten.

Fazit
Unterm Strich bleibt bleibt ein Spiel, das alle Versprechen einhält. Wer den Vorgänger mochte, wird begeistert sein. Wer wenig Geduld und generell mit Hüpfspielen und deren Natur nichts anfangen kann, wird auch von diesem brillanten Titel nicht überzeugt werden. Auch für mich als alten Hasen war es anfangs nicht ganz leicht, mit dem Konzept des allgegenwärtigen Todes klarzukommen. Aber nach einer Stunde ist man wieder Feuer und Flamme. New Super Mario Brothers konnte noch mit seinem enorm simplen Gameplay auch Gelegenheitsspieler überzeugen, Yoshi’s Island ist da schon ein ganz anderes Kaliber. Mehr Abwechlsung, höhrerer Schwierigkeitsgrad, mehr, mehr, mehr. Yoshi ist im Vergleich ein wesentlich anspruchsvolleres Spiel. So bleibt unterm Strich nur eine mögliche Schlussfolgerung: Wer auch nur einen Funken für Jump’n Runs übrig habt, muss zuschlagen.


USK: ohne Altersbeschränkung
PEGI: 3+
Multiplayer: 1 Spieler
Sprache: D,F (Anleitung), D/F/E/I (Spiel)
Preis: CHF 69.-
Website: www.nintendo-europe.com/

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1 Kommentar zu diesem Artikel

  1. Don

    schrieb am 18. April 2007 um 08:33 Uhr (#)

    ich finds irgendwie net so gut wie new super mario


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