Guitar Hero On Tour Review / Test

Kristin Knillmann, 31. Juli 2008 00:20 Uhr, 5 Kommentare Kommentare

Noch nicht lange ist es her, da flüsterte uns Activision etwas wundervolles in die Ohren: Guitar Hero sollte exklusiv für unser aller Lieblingskonsole erscheinen. Doch die Freude war sicherlich nicht bei allen zu sehen: So fragte sich jeder zweite DS-Besitzer, ob dieses Spiel auf einem kleinen Handheld überhaupt Sinn mache – schliesslich müsse man auf den berühmten Gitarrencontroller verzichten und sich mit einem rechteckigen Kasten mit vier Knöpfen zufrieden geben. Wer zu dieser Zeit noch an dem Konzept des Spiels zweifelte, der könnte aktuell eines besseren belehrt werden.

On Tour?

Seit dem 17.07. dürfen wir sie nun in den Händen halten – die Miniaturausgabe des großen Rockvaters. Guitar Hero On Tour nennt sich der Spaß, und zeigt uns direkt nach dem Auspacken, dass der Titel nicht schlechter hätte gewählt werden können: „On Tour“ wohl nämlich nur deswegen, weil man gleich zu Beginn durch sein ganzes Haus schweifen darf um einen Schraubenzieher zu finden – in Eigenregie muss man zuerst den richtigen Nintendo DS-Anschluss an seinen Guitar Grip basteln. Ansonsten ist der Begriff aber weit gefehlt. Wer keine seperate Tasche für die Zusatzteile dieses Spiels besitzt, der muss sich genötigt fühlen, die komplette Verpackung unterwegs bei sich zu tragen um Beschädigungen des Tastengriffs aus dem Weg zu gehen. Und ein Musikspiel mit Ton ohne Lärmbelästigung in der Öffentlichkeit nutzen? Fast unmöglich! Ein solcher Titel darf eben nicht für ein Spiel vergeben werden, das so unpraktisch daher kommt wie dieses.

Spielstruktur

Sieht man darüber allerdings mit einem zwinkernden Auge hinweg, so entpuppt sich Guitar Hero On Tour doch noch als Kassenschlager. Die Spielstruktur ist genauso vielseitig wie bei allen Guitar Hero-Teilen: Zum Einstieg klettert man am besten langsam die Karriereleiter hoch. In vier Schwierigkeitsstufen schaltet man so nach und nach Outfits für die sechs Charaktere, diverse Gitarrenlackierungen, Bühnen und natürlich Songs frei. Je exklusiver jedoch die Bühne wird, umso schwieriger wird der zu spielende Song – und das auch schon, wenn man anfangs noch gutgläubig „Leicht“ anwählt. An der ein oder anderen Stelle hat man schnell das Gefühl, in einem schwierigeren Grad gelandet zu sein. Wer allerdings nur fröhlich vor sich hinspielen und Punkte sammeln möchte, der verträgt sich um einiges besser mit dem „Schnellen Spiel“. Dort kann man jeden bereits freigeschalteten Song bis zum Erbrechen auf einer Gibson Les Paul schreddern.

Und für die ganz ehrgeizigen Rockerherzen unter uns hält Guitar Hero On Tour noch die Gitarrenschlacht bereit. Ob gegen den DS oder gegen Fleisch und Blut auf dem Sofa nebenan – hier muss man unter Beweis stellen, was man wirklich drauf hat. Um ein Star zu sein reicht es eben nicht, die Gitarre bedienen zu können; man muss auch Autogramme schreiben oder sein bestes Stück (hiermit meine ich natürlich wieder die Les Paul oder eine andere Wunschgitarre) vom Feuer befreien können. Hier werden wunderbar Touchscreen und Mikro des Nintendo DS integriert. Etliche Attacken kann man durch gute Notentreffsicherheit ernten und seinem Mitspieler aufs Auge drücken: von Kamerablitz über Hypergeschwindigkeit bis hin zu kaputten Saiten wird dem Gitarrengott von Morgen nichts vorenthalten. Als reiche es nicht, unterwegs die Füße zu wippen und mit dem Kopf zu wackeln, soll noch ein lautes „Yeah!“ Richtung Mikro die Punktzahl schneller steigen lassen. Damit wird das Spiel übrigens endgültig zum Sofahelden.

Songauswahl

Obwohl das Spiel insgesamt nur 25 Songs anbietet, ist doch für jede Spielergeneration ein Häppchen dazwischen: Während die einen „Monsoon“ von Tokio Hotel absichtlich schlecht spielen, gibt es sicherlich auch eine Handvoll Spieler, die sich vor dem Spielen die Haare bandgerecht föhnen. Dem nächsten schlägt das Herz höher bei Ozzy Osbourne-Songs und ein jeder Indiefreund lächelt in sich hinein, weil er Bloc Party, die Beatsteaks und Incubus vorgesetzt bekommt. Immerhin sind Rock und Pop zwei der deutlich beliebtesten Musikrichtungen überhaupt. Schade bloß, dass man sich hier nicht auch Songs oder ganze Alben durch ein eigens erstelltes System kaufen bzw downloaden kann.

Guitar Grip und Plektrum-Stylus

Da bleiben einzig noch ein paar Worte zum Zubehör des Spiels. Ohne ihn braucht man das Spiel gar nicht anzufangen: der Guitar Grip. Das kastenförmige kleine Gerät wird an den GBA-Slot des Nintendo DS gesteckt und erfüllt somit in Addition des Plektrum-Stylus alle Funktionen, die der Gitarrencontroller in den Vorgängerspielen hatte. Vier Tasten und ein Tragegriff zieren das Gerät. Der Tragegriff ist selbstredend größenverstellbar – wer Musik für jede Generation bietet, der muss schliesslich auch daran denken, dass es Hände von XS bis XXL gibt. Das ganze passt sich recht gut der eigenen Hand an, vor allem weil der Griff schön weich ist. Aber wo wir gerade beim Thema Hand sind: Hier tut sich wieder mal ein gravierendes Problem der Spielereihe auf. Wer zu den etwas kleineren Menschen mit etwas kürzeren Fingern gehört, der könnte eventuell Schwierigkeiten haben, die blaue Taste mit dem kleinen Finger zu erreichen. Entweder spielt man dann lediglich mit der Fingerspitze (unbequem), bleibt ein Leben lang im leichtesten Modus (ganz ohne blaue Taste) oder lässt sich eben einen längeren Finger an die Hand operieren. Was da die beste Lösung ist, muss wohl jeder für sich selbst entscheiden. Fakt ist, dass der Controller zwar ergonomisch schick ist, aber dass man sich mit ihm arrangieren muss – er ist eben keine Gitarre. Was der Guitar Grip einbüßt, machen die Entwickler mit dem Plektrum-Stylus wieder gut. Man kann ihn ganz komfortabel in dem Guitar Grip verstecken. Nachdem man ihn allerdings das erste mal benutzt hat, möchte man den kleinen Begleiter am liebsten nicht mehr hergeben und für jedes DS-Spiel seiner Sammlung nutzen.

Der größte Clou kommt allerdings noch: Als Rockstar möchte man natürlich nicht in der Masse untergehen und deswegen bringt Guitar Hero On Tour gleich ein halbes Stickeralbum zum personalisieren des eigenen Bundles mit. Sterne, Flammen, Blitze, Nieten, Katzen – vor kaum einer Peinlichkeit wird hier Halt gemacht. Mehr Wiedererkennungswert schafft man sich dann besser durch auswechselbare Skins für den Guitar Grip. Richtig gelesen; man kann den Controller auseinandernehmen und den Skin ändern. Ob man hierzu vorgefertigte Skins von der Guitar Hero-Homepage lädt oder sich gleich seinen eigenen malt, sei jedem selbst überlassen. Damit steigt der Coolness-Faktor des Spiels nochmal um einige Punkte.

Jetzt braucht man nur noch den richtigen Gegner mit dem man sich Duelle liefern kann, aber das sollte kein Problem darstellen: Das Spiel ging bereits sieben Tage nach Veröffentlichung mehr als 300.000mal über die Ladentheke und ist somit das bei Verkaufsstart erfolgreichste Spiel für den Nintendo DS in Amerika. Da lässt sich sicher der ein oder andere mit dem gleichen Musikgeschmack finden. Und ansonsten kann man nur hoffen, dass ähnlich wie mit allen anderen Guitar Hero-Paketen bald auch weltweit wieder einige Contests starten.

(Fazit weiter unten)

Game Facts
 

Entwickler: Red Octane
Publisher: Activision
Genre: Simulation
USK:
Pegi:
Multiplayer: 1 – 2 Spieler
Sprache: Deutsch
Preis: EUR 49,99 / CHF 81,- (bei Amazon momentan für EUR 39,95 zu haben)
Website:

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5 Kommentare zu diesem Artikel

  1. Mardermolch

    schrieb am 31. Juli 2008 um 01:28 Uhr (#)

    “(bei Amazon momentan für EUR 29,97 zu haben)”

    Echt, wo?

  2. Sebastian

    schrieb am 31. Juli 2008 um 01:34 Uhr (#)

    Leider schon wieder weg. War bis gerade eben noch da… als Deal der Woche

  3. Kristin

    schrieb am 31. Juli 2008 um 08:42 Uhr (#)

    Hab’s mal aktualisiert.

  4. Gerhard

    schrieb am 31. Juli 2008 um 10:16 Uhr (#)

    Super Review übrigens! :)

  5. Kristin

    schrieb am 31. Juli 2008 um 11:59 Uhr (#)

    Dankeschön! :)


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