Rare mal wieder auf der Anklagebank

Klaus Schneider, 17. September 2008 20:14 Uhr, 4 Kommentare Kommentare

Ist Rare nur noch ein fleischloses Skelett, das sich im Schein erfolgreicher Tage sonnt? Peter Moore, ehemals bei Microsoft unter Vertrag, ist bekannt für seine teils harschen, von höflichen Ummantelungen absehenden Aussagen. Als neues verbales Opferlamm wurde nun Rare ausersehen, das von Moore die Leviten gelesen bekommt. In einem Interview äußerte er sich zu dem Entwicklerstudio. Im O-Ton hört sich das Ganze dann ungeschminkt etwa so an:

“But we were trying all kinds of classic Rare stuff and unfortunately I think the industry had past Rare by — it’s a strong statement but what they were good at, new consumers didn’t care about anymore, and it was tough because they were trying very hard — [original Rare founders] Chris and Tim Stamper were still there — to try and recreate the glory years of Rare, which is the reason Microsoft paid a lot of money for them and I spent a lot of time getting on a train to Twycross to meet them. Great people. But their skillsets were from a different time and a different place and were not applicable in today’s market.”

Wir wollen zwar nicht die leidige Diskussion wieder aufbrechen, inwieweit Rare verflossenen Glanztaten hinterherhechelt, doch ein Quentchen Wahrheit ist Moore vielleicht doch zuzugestehen. Viele neugierige und skandalwitternde Augen ruhen natürlich jetzt auf Banjo Kazooie 3, und wenn das die angestrebten Ziele nicht erreicht, kann sich Rare wohl auf stürmische Zeiten einstellen. Allerdings sollte man auch nicht allzu rauhbeinig mit den Entwicklern umspringen und ihnen eine mangelnde Anpassungsfähigkeit an die heutige Zeit vorwerfen. Selbst ein Zugpferd wie Banjo wurde immerhin generalüberholt und von Grund auf umgekrempelt. Mut zur Änderung ist vorhanden, weswegen es vielleicht verfehlt ist zu behaupten, Rare würde sich auf altgedienten, verrosteten Allzweck-Formeln ausruhen, welche immerzu Verwendung finden.

(via 1UP.com)

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4 Kommentare zu diesem Artikel

  1. Rob

    schrieb am 18. September 2008 um 09:43 Uhr (#)

    Wenn Titel, in die große Hoffnungen gesetzt werden, letztendlich baden gehen, liegt die Ausrede scheinbar immer nah: Die Konsumenten wissen das Produkt einfach nicht zu schätzen, die Anforderungen des Marktes müssen sich über Nacht VÖLLIG neu definiert haben. Dass Rare in den letzten Jahren einfach keine erstklassigen Spiele entwickelt haben könnte, würde man sich aber im Traum nicht eingestehen. Perfect Dark Zero, auf das Moore im Interview zu sprechen kommt, hat sich also nicht gut verkauft? Keine Ahnung wieso? Es war ein lieblos zusammengeklatschtes Trauerspiel, das Limbo unter sämtlichen Genrestandards tanzte. Entweder er redet sich das schön, oder hat es einfach selbst nie gespielt.
    Der einzige Punkt, mit dem er auf dem richtigen Dampfer sein könnte, ist dass die Zielgruppe für einige Rare-Titel – so rein nach demographischen Gesichtspunkten – vielleicht tatsächlich weniger unter Xbox-Besitzern zu finden war. Wer eben betont Wert darauf legt, eine Konsole vorrangig für “erwachsene” Spieler zu vermarkten (es gibt da schöne Zitate von Moore zu Microsoft-Zeiten), sollte sich nicht allzu sehr wundern, wenn nicht jede Franchise darauf funktioniert. Die Fähigkeit, sich auch mal an die eigene Nase fassen zu können, ist in der heutigen Industrie aber eine seltene Tugend geworden.

  2. eichohrkatze

    schrieb am 18. September 2008 um 15:55 Uhr (#)

    Auf dem N64 waren die Spiele von Rare beinahe gleichwertig neben den Nintendo eigenen Spielen einzuordnen, man wusste wie man mit der (heutzutage im Vergleich schwachen) Hardware das maximale herausholen konnte, weniger grafisch, abgesehen von den niedlichen Charakteren mit den Kulleraugen, sondern vom Gameplay und vom Leveldesign her! Beinahe niemand außer Nintendo selbst verstand es so gut zu tricksen, Illusionen erzeugen, dass alles eben nach viel mehr aussah! Mit der heutigen Hardware braucht man viel weniger die Bites zu zählen, komplizierte kniffe anzuwenden, die damals von Nöten waren, so dass man darauf stolz sein konnte und nicht minder Zuneigung und Anerkennung dafür bekam. Das große resignieren kam mit der Hardware.. Das Herz von Rare vertrocknete, wie eine Blume die man nicht mehr gießt.. Die Welt hat sich weiterbewegt.. wie man so sagt!

    Viva Pinata 1 habe ich sehr gerne gespielt, mir fehlen noch diverse Pinatas und ihre Varianten. Aber irgendwie fühle ich es, man wollte einfach mit dem Spiel viel zu viel. Man merkt es dem Spiel nach langer Spielzeit eigentlich an, es hat viel Geplänkel welches einfach gegen Ende unfertig wirkt.. mit dem zweiten Teil hat man noch viel mehr Geplänkel hineingestopft, welches noch immer unfertig wirkt.. aber man hat auch viele verbessert! Nur auf einen dritten Viva Pinata Teil habe ich keinen Bock mehr, auch wenn dieser dann endlich nicht mehr wie eine grüne Banane ist.

    Ich habe Nutz and Bolts vorbestellt, weil ich noch immer das starke Rare im Hinterkopf habe.. bei Neukunden wird es Rare sicherlich schwieriger haben.

  3. eichohrkatze

    schrieb am 19. September 2008 um 16:02 Uhr (#)

    Ich habe endlich so richtig begonnen mit Kameo – Elements of Power zu spielen. Ehrlich gesagt war es das coole Uno Kameo Deck, welches mich die angestaubte Spielehülle unter dem Bettfuss hervor klauben lies, schuld daran. Jetzt knarrt und wackelt mein Bett wieder, aber dafür kann ich mit Kameo die Feenwälder, nebelige Mayatempel.. (bin noch nicht viel weiter) erkunden! Ich weis gar nicht wieso ich das Spiel bisher gemieden habe? War es Clive Barkers Jericho, das ich mir zu selbigen Zeit (beide gebraucht) gekauft habe.. oder war es die Tatsache, das das Tutorial schwerer ist als der Rest des Spiels ;) und ich einfach den Arsch auf hatte, mich danach unscheinbar und mindertalentiert fand! Wir werden es nie herausfinden.. Kameo ist doch ein gutes Spiel – vielleicht ein bisschen kurz, weil ich komm nach dem Tutorial plötzlich so gut voran! Oder liegt es am Tutorial, welches im nachhinein soo gut ist, dass die beim spielen neu erschaffenen Synapsenverbindungen sich nie mehr mit anderen Synapsen reorganisieren wollen, weil sie in dieser heiteren Runde so viel Spaß haben?

    Wer weis?

  4. Klaus

    schrieb am 20. September 2008 um 13:13 Uhr (#)

    Ich habe zwar jetzt keine Erwiderung parat, möchte aber zum Ausdruck bringen, dass Rare meiner Meinung nach zu viel um die Ohren bekommt.

    Rare ist extrem wandlungsfähig. Ich spiele zur Zeit in begeisterter Stimmung, von euphorisch stimmenden Aufwallungen permanent begleitet, Conker: Live & Reloaded. Die Xbox wird in dieser Neuauflage des Solo-Abenteuers bis zur Grenze ausgereizt und das Spiel erstrahlt in einer Qualität, welche einem suggeriert, man habe es mit einem topaktuellen 360 Spiel zu tun. Das Spiel sieht gar besser als Kameo aus- vor allem grafisch und ästhetisch weit homogener und stilsicherer.

    Ach Conker’s Bad Fur Day gehört ein Denkmal gebaut. Allein wegen dieses Spiels sollte man sich der freventlichen Kritik gegenüber Rare bis alle Zeit enthalten. Ich verstehe nicht ganz wie man Rare vorwerfen kann, sie würden dem Zeitgeist nicht mehr entsprechen. Immerhin entspringt Bad Fur Day einer zurückliegenden Vergangenheit, und es überspringt den Großteil anderer Plattform-Spiele in Punkto Gameplay und Writing bei weitem. Rare hat es drauf.

    Nur wenn die Öffentlichkeit ständig jedes Werk genaustens unter Augenschein nimmt und wenn die Entwickler merken, dass sie unter besonderer Beobachtung stehen, dann kann ja nur Kreativität und Leinenlosigkeit flöten gehen.


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