Review / Test:
Fable 2
Videospiele-Meilenstein oder 360-Sandkorn?
Lange mussten Fans auf den Nachfolger zum Kultspiel von Peter Molyneux warten und viele revolutionäre Spielinhalte wurden angekündigt. Aber bietet das neueste Epos aus der Feder des Populous-Erfinders wirklich genug Innovationen, um der Xbox360 den erhofften Konsolen-Kaufgrund zu verschaffen?

Unser Fazit: Ein klassisches Rollenspiel ist Fable 2 sicher nicht geworden, sondern eher ein Hybrid aus Rollenspiel, Action-Adventure und Social-Sim. Dabei liegen die Stärken sicherlich nicht explizit in den einzelnen Disziplinen sondern in der gekonnten Verquickung der Genres. Präsentiert wird sowohl für Casual- als auch Core-Gamer eine faszinierende Kombination aus vorhersehbarer Geschichte und einer riesigen Fülle an Sidequests. Die Soziale Komponente nimmt dabei eine enorme Gewichtung ein, da fast jede Entscheidung, die Ihr im Spielverlauf trefft, Einfluss auf eure Charakter-Entwicklung hat. Die Grenzen zwischen Gut und Böse verschwimmen und häufig ertappt ihr euch dabei, wie Ihr mit dem Gewissen ringt. Die Atmosphäre ist dabei aufgrund stimmungsvoller Grafik, exzellenter Soundkulisse und wirklich hervorragender Sprachausgabe extrem packend und macht das Spiel zu einem multimedialen Genuss. Zum perfekten Spiel hat es jedoch leider aufgrund einiger Kleinigkeiten leider nicht gereicht, da einige Bugs das Vergnügen etwas trüben und das Spiel ohne Sidequests gesehen, extrem kurz ausgefallen ist.
9/10
(Das komplette Review findet ihr nach dem Klick.)
Fable 2 (Xbox360)
Entwickler: Lionhead
Publisher: Microsoft
Peter Molyneux, Gründer der legendären Bullfrog Studios, versprach der zockenden Gemeinde eine Revolution des Rollenspiels, heraus gekommen ist zwar nicht der Messiahs auf DVD aber sicherlich ein sehr guter Titel für die Xbox360, der gekonnt mit Konventionen bricht und sowohl Casual- als auch auch Coregamer zu unterhalten vermag. Zu Spielbeginn wählt Ihr zunächst, ob eure Spielfigur weiblich oder männlich sein soll, gestalterische Möglichkeiten in Bezug auf Statur, Kleidung oder ähnliches habt Ihr erstmal nicht, namentlich hören eure Figuren auf “Spatz” und “Rose”. Die Beiden zur Verfügung stehenden Figuren werden euch als Geschwisterpaar vorgestellt, dass alleine in einer Baracke in der Altsadt von Bowerstone haust und bereits im ersten Abschnitt des Spieles Bekanntschaft mit einigen zwielichtigen Personen der verruchten Gassen machen muss. Die ersten Minuten entscheiden schon einmal den Weg, den Ihr in Zukunft einschlagen werdet, denn schon hier werden euch soziale Kompetenzen abverlangt und prägen euren Ruf als schwarzes Schaf oder Unschuldslamm. Auf die Story werde ich jetzt nicht weiter eingehen, denn diese ist schon kurz genug geraten was an anderer Stelle noch erörtert werden soll.
Seid Ihr dann im erwachsenen Alter angelangt, erlernt Ihr schnell die Basis-Techniken des Kampfes, ausbaufähige Angriffe mit Schwert, Armbrust und Zauber. Bei den Waffen gibt es eine schöne Auswahl an Schwertern, Äxtern, Gewehren, Armbrüsten und Pistolen zu entdecken und auf Seite der Zaubersprüche sind Klassiker wie das Erwecken von Toten oder das Werfen von Feuerbällen sowie Unterhaltsames wie das Beschwören von Chaos zu entwickeln, was manche Gegner zum Putzen des Bodens animiert. Der Start ins Spiel gerät dabei sehr geschmeidig und ihr wisst eigentlich sofort, was Ihr wie zu tun habt. Die Kindheit und erste Missionen dienen dabei quasi als Tutorial.
Die Gegner stellen sich leider nicht all zu vielseitig dar, rekrutieren sie sich doch in erster Linie aus Altbackenem wie Trollen, Räubern oder Zombies, die in “Hohle Mäner” umgetauft wurden, aber, wie der Name vermuten lässt, zumeist recht hohl agieren. Ähnlich bekannt präsentiert sich dabei das Spielprinzip, Missionsziel abholen, den Weg suchen, Gegner eliminieren, Geschichte verfolgen, nächstes Ziel abholen. Das allerdings nur, wenn man sich der Basis-Geschichte widmet, darüber hinaus lässt sich die Zeit auch mit Glücksspielen, Häuser kaufen, Handel treiben, Aufleveln und Geschlechtsverkehr vertreiben.
Sogar an ein Koop-Modus wurde gedacht, dieser dürfte eurem Mitspieler jedoch nur wenig Freude bereiten, ist er doch nur schmückendes Beiwerk als echte Bereicherung.

Was wir mochten:
Unendliche Weiten - Die Welt in der Ihr euch dabei bewegen dürft, präsentiert sich zumeist in beeindruckender Schönheit und weiss mit liebevollen Details den Spieler in seinen Bann zu ziehen. Flächenmäßig dürfte es sicherlich umfangreicheres Geben, aber um sich hin und wieder zu verlaufen, ist die Welt allemal groß genug. Dabei wechseln sich liebevoll gestaltete Wald- und Wiesengegenden mit feuchten Höhlen, verzweigtem Gebirge und detaillierten Stadtabschnitten ab. Gerade die Wiesenlandschaften mit schöner Vegetation und toll inszeniertem Tageszeitenwechsel sind absolute Hingucker.
Unendliche Märkte - Erschrickt Ihr wie in den meisten Spielen zunächst über enorm hohe Preise, merkt man nach ein paar Stunden und einigen Jobs recht schnell, dass auch in Fable 2 nur mit Wasser gekocht. So werden selbst teure Häuser schnell erschwinglich, wenn man sich den Jobs wie Holzfäller oder Kneipenwirt, die sich in der Umsetzung als nette kleine Geschicklichkeitsspiele präsentieren, widmet und hier etwas Ausdauer beweist. Als durchtriebener Spieler kann man natürlich auch einfach Häuser ausrauben, Diebesgut an Händler verkaufen und je nach Nachfrage große Gewinne einstreichen. Hat man irgendwann einige Immobilien zusammen, fließt das Geld durch regelmäßige Mieteinnahmen von ganz allein auf euer Konto.
Unendliche Freundschaft - Ein wirklich sinnvolles Gimmick wurde in Form eures treuen Hundes in das Spiel eingebaut, der euch nicht nur im Kampf sondern auch in der Schatzsuche unterstützt. Wittert euer Begleiter zum Beispiel eine Schatztruhe in der Umgebung, bellt das Fellknäuel und führt euch auf die richtige Fährte. Ebenso verhält es sich, wenn euer privater Flohzirkus einen vergrabenen Schatz wahr nimmt. Folgt dann einfach seiner Nase und grabt an präsentierter Stelle mit der Schaufel aus eurem Inventar das Goodie aus. Weitere nützliche Bekanntschaften könnt Ihr in fast jeder noch so unwirtlichen Gegend machen, da sich mit geschickt eingesetzter Gestik Männlein und Weiblein nicht nur zu einem Schäferstündchen überreden lassen, sondern euch auch mit Geschenken belohnen. Mit diesen Personen eine Familie zu gründen ist dann ebenso möglich, wie Sie einfach einer mysteriösen Sekte in einem Opferritual darzubieten.
Unendliche Klangvielfalt - Der Soundtrack präsentiert sich ebenso von seiner Schokoladenseite, wie auch die Geräuschkulisse und die wirklich gelungene deutsche Synchronisation. Ganz gleich, ob euch jemand von hinten anpöbelt, weil ihr stinkt, Ihr der Fortführung der Geschichte lauscht oder jemanden versucht zu überzeugen, dass Ihr eigentlich gar kein so schlechter Mensch seid, alles ist höchst professionell eingespielt und klingt extrem atmosphärisch.
Unendliche Bosheit - Wie Ihr euch im Spielverlauf auch immer entscheidet, es macht einfach Spaß, seiner Spielfigur dabei zuzuschauen, wie sie sich immer mehr verändert. Ob euch nun richtig schöne Hörner wachsen, oder Ihr einen Heiligenschein entwickelt, es liegt komplett an euch, euren Charakter zu einer wahren optischen Krankheit zu machen oder ein Schöngeist mit gepflegten Schühchen zu werden. Selbst die Wahl eurer Kleidung prägt eure Charakterentwicklung und auch die Entscheidung, einen Sellerie oder ein ranziges Stück Fleisch zu essen wirkt sich auf die Erscheinung aus.
Unendliche Geschichten - So kurz die Hauptgeschichte auch ausgefallen ist, die Nebenquests können sich echt sehen lassen und motivieren für Tage. Das Opfern von Menschen ist einfach zu unterhaltsam, das Suchen von versteckten Schätzen zu treibend und das Handeln mit Waffen zu lukrativ, um das Pad schon nach zwei vollen Wochen Dauerzockens aus der Hand zu legen.

Was uns nicht gefallen hat:
Endliche Geschichte - Auch wenn Ihr die Hauptstory durch habt und danach machen könnt, wozu Ihr Lust habt, Fable 2 ist einfach ein recht kurzes Vergnügen. Allerdings stehen ein paar Quests tatsächlich erst nach dem Durchspielen zur Verfügung. Casual-Gamer schreckt das wohl nicht ab, denn echte Frustmomente gibt es nicht, der Schwierigkeitsgrad ist sehr human ausgefallen, so werden einige Hardcore-Zocker sicherlich ob des kurzen Spaßes durchaus Kritik üben wollen.
Endliche Gegnerzahl - Wie zuvor erwähnt, ist die Abwechslung bei den Gegnern leider recht beschränkt und mit wenig verschiedenen Taktiken kommt man den meisten Gegnern schnell an den Kragen. Allerdings bietet euch das stete Monstermetzeln gute Möglichkeiten zum Aufleveln eurer Fähigkeiten im Nah- Fern- und Magiekampf.
Endlich keine Bugs mehr? - Leider gibt es einige störende Bugs, die das Spielvergnügen trüben. So zum Beispiel Schränke vor denen man steht und die man trotz angezeigter Möglichkeit nicht öffnen kann, sowie Gegner, die auf einmal Bis zum Kopf im Holzboden eines Hauses stecken.
Endliche Welten - Es gibt zwar viele Gegenden zu erkunden, aber wehe euch, Ihr versucht, einen Berg zu erklimmen, oder hinter einen Baum an einer Klippe zu gehen, dann steht Ihr vor einer unsichtbaren Mauer. Ebenso fatal kann der Versuch enden, zwischen einem Stein und einer Brücke einen Weg ins Wasser zu suchen, schnell endet dies in einer Zwickmühle aus der man nur schwer wieder heraus kommt.
Endliche Kartographie - Ihr habt zwar die Möglichkeit, eure Umgebung auf einer Karte einzusehen, aber diese erreicht Ihr nur, wenn Ihr in das Pausenmenü geht und auch dort ist ist nicht immer Übersichtlichkeit angesagt. Eine Möglichkeit, Karten zu vergrößern oder selber Punkte zu markieren, hätte hier wirklich Not getan.
Endliche Redseligkeit - so viel und gut euer Gegenüber auch auf euech einzureden vermag, Ihr haltet einfach euren Mund! Ihr könnt wirklich nichts sagen und behaltet auch das Ganze Spiel über euren Kindernamen “Spatz”. Sogar eurem Hund könnt Ihr einen neuen Namen geben, wann Ihr wollt, nur euch selber bleibt eine echte Persönlichkeit leider verwehrt und der Mund verschlossen.

Bartos Meinung: Trotz einiger Designmängel und der kurzen Geschichte hat mir Peter Molyneux mit Fable 2 einige schlaflose Nächte bereitet und für mich wirklich das Spiel des Jahres abgeliefert, weil es mich dank packender Atmosphäre extrem gefesselt hat. Mir persönlich ist eine endlose Hauptstory nicht so übermäßig wichtig, weswegen ich wirklich Ewigkeiten mit dem Stöbern in den Welten und dem Lösen der Sidequests verbracht habe. Zudem gefiel mir das Entwickeln meiner Spielfigur zu einer unfassbar hässlichen Erscheinung mit ansehnlichen Hörnern, das lebende Küken zum Frühstück isst und seine zehn Ehefrauen und Männer dem Schattenkult opfert, einfach zu gut, als das ich mich von den wenigen Mängeln ablenken lassen würde. Für alle die noch keine Xbox360 Ihr Eigen nennen, ist dies der definitve Grund, sich eine zuzulegen!

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Zerebrat
Man kann sich beim Ausrufer neue Titel kaufen die dann als Name verwendet werden. Spatz ist halt der Anfangstitel
BARTO
ja, das ist richtig, aber ein titel wie BÜRGERMEISTER ist KEIN richtiger name!