Review / Test:
Banjo-Kazooie:
Schraube Locker
Das ungleiche Duo ist wieder da, doch kann es an die glorreichen Zeiten anknüpfen?
Der dritte Teil von Banjo-Kazooie ist nicht zur Vervollständigung einer Trilogie gedacht. Er betritt auf den ersten Blick völliges Neuland für die Serie. An Stelle des Vogels übernehmen nun Fahrzeuge zu Lande, zu Wasser und in der Luft die ganze Arbeit. Was hat Rare aus dem geliebten Universum gemacht? Wir sagen es euch.

Unser Fazit: Um es gleich vorweg zu sagen, Banjo-Kazooie: Schraube Locker ist ein sehr spezielles Spiel und nicht für jeden geeignet. Entweder verfällt man ihm mit Haut und Haaren oder es lässt einen völlig kalt. Wer schon bei den beiden Vorgänger mit absoluter Begeisterung auf die Jagd nach Noten und Jiggies gegangen ist, wird hier wieder angesteckt. Vorausgesetzt, das neue Gameplay wird akzeptiert. Wer lieber in der Vergangenheit schwelgen möchte, wird wohl mit den XBLA Veröffentlichungen glücklicher. Das Spielprinzip im dritten Teil ist eigentlich nahezu identisch, es werden lediglich Aufgaben mit den Vehikeln und zu Fuß erledigt, statt mit der Hilfe des Vogels. Jeder, der die Retro-Brille abzieht und Schraube Locker eine Chance gibt, wird die alten Qualitäten plus eine Menge toller Neuerungen entdecken.
Das wohl stärkste Feature ist der nicht enden wollende Spielspaß. In einer Zeit, in der neue Konzepte von großen Firmen rar gesät sind, muss gerade der Mut von Rare gelobt werden. Die Engländer sind ein großes Risiko eingegangen und das wird sich (leider) auch in den Verkaufszahlen niederschlagen. Uns ist schon lange kein so origineller Titel mehr untergekommen. Wo andere Firmen mit Shootern, Action-Adventures oder Sportspielen auf sichere Genres setzen, kommt Banjo-Kazooie: Schraube Locker frisch, unterhaltsam, charmant und wunderhübsch daher. Die Welt ist zwar nur sehr oberflächlich, aber wie in einem guten Werbespot, können wir hier wunderbar unsere Sorgen vergessen und einfach dem Kind in uns freien Lauf lassen. Waren die beiden Jump & Run Vorgänger zu ihrer Zeit schon absolute Meisterwerke, haben Rare sich mit ihrem neusten Werk selbst übertroffen.
9/10
Wir bedanken uns bei Microsoft für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsmusters.
(Interesse geweckt? Die gesamten Details gibt es nach dem Klick.)
Banjo-Kazooie: Schraube Locker (Xbox 360)
Entwickler: Rare
Publisher: Microsoft
Besitzern eines N64 ist das dynamische Duo nur allzu gut bekannt. Ende der Neunziger lieferte das englische Softwarehaus neben Nintendo die besten Spiele für die letzte stationäre Modulkonsole ab. Dabei erfand Rare reihenweise neuer Marken, die den Schöpfungen von Miyamoto in nichts nachstehen sollten. Besonders Bär Banjo und die freche Vogeldame Kazooie, die zu einem Leben im Rucksack des braunen Zeitgenossen verdammt zu sein scheint, eroberten durch ihre beiden 3D Hüpf- und Spring-Abenteuer die Herzen der Fans im Sturm. Das besondere Merkmal der Super Mario 64 ähnlichen Games, waren die unzähligen Items die teils versteckt und schwer zugänglich die riesigen Levels bevölkerten. Auf englisch wurde prompt ein Wort speziell für diese Art von Spiel erfunden: “Collectathon” ist eine Mischung aus dem englischen “sammeln” (to collect) und der längsten Laufstrecke in der Leichtathletik, dem Marathon.
Und dieses Wort beschreibt das Gameplay perfekt. Jede Welt enthielt eine bestimmte Anzahl an für den Spielfortschritt benötigten Puzzleteilen, Musiknoten und Köpfen des Medizinmannes. Zusätzlich lagen rote und goldene Federn, Eier, Bienenwaben, Extraleben und temporäre Spezialfähigkeiten weitläufig verteilt herum. Dieses Element ist auch im dritten Teil wieder sehr stark vertreten, allerdings reduziert auf das Sammeln von Noten und Puzzleteilen, den sogenannten Jiggies.
Showdown Town ist der Dreh- und Angelpunkt des neuen Abenteuers. Hier findet der Großteil der Erkundungstouren statt. Wir starten mit einem kleinen einfachen Transporter, ohne Spezialfähigkeiten. Erst nach und nach öffnen sich durch die gefundenen Jiggies neue Abschnitte in der Oberwelt, sowie Türen, die zu den sechs thematisch unterschiedlichen Welten führen. Die in sich abgeschlossenen Bereiche halten diverse Aufgaben bereit, für dessen erfolgreiche Bewältigung jeweils drei Preise ausgeschüttet werden: Ein paar Noten, ein Jiggy und eine Trophäe. Noten sind die Währung, mit ihnen lässt sich alles von verbesserten Attributen, neuen Blaupausen und Teilen für die Vehikel, bis hin zu Jiggies erwerben. Die Jiggies müssen verdient werden, um all diese Dinge Schritt für Schritt freizuschalten. Für jeweils vier gesammelte Trophäen schließlich gibt es einen extra Jiggy.
Wichtig zu wissen ist, dass in Showdown Town keine eigenen Fahrzeugkreationen zum Einsatz kommen dürfen. Diese sind beschränkt auf das Innenleben der Welten, die Teststrecke und die zu erfüllenden Aufgaben.

Was wir mochten:
Die Welt ist groß und du bist klein – Zu Beginn steht nur ein sehr überschaubarer Bereich zur Verfügung. Der Rest der Welt ist zwar schon sichtbar, wird aber erst Stück für Stück durch unseren Fortschritt zur Erkundung freigegeben. Hier wurde exakt die richtige Balance gefunden. Hoch motiviert wird alles in Showdown Town gesammelt, was erreichbar ist, neue Jiggies in den Missionen verdient und Fahrzeugteil um Fahrzeugteil zurück zur Garage gekarrt. Im Gegensatz zu den Vorgängern spielt der Tod keine Rolle mehr, selbst ein Sturz aus höchster Höhe geht glimpflich aus. Dies mag auf den ersten Blick wie ein Motivationskiller erscheinen, doch eher das Gegenteil ist der Fall. Das Sammeln der Noten und das Modifizieren der Fahrzeuge für die speziellen Einsätze ist total ungewohnt und fordert alles von uns ab, dass für das Sterben keine Zeit mehr bleibt.
Showdown Town sehen und sterben – Selten habt ihr eine so wundervoll detailverliebte Umgebung erblickt. Die komplette Welt ist jederzeit zu sehen, es gibt keine Beschränkung der Sichtweite. Die Farben sind bunt und einladend, jeder sichtbare Punkt kann auch bereist werden. Die Gebäude sind mit viel Liebe modelliert und auf den Straßen tummeln sich unzählige Bewohner, die allerdings zum Großteil nicht mehr als eine Statistenrolle übernehmen. Fast jeder Gegenstand ist interaktiv und kann bewegt werden, auch wenn dies keinerlei tieferen Sinn erfüllt. Die Geschöpfe, welche die sechs unterschiedlichen Bereiche bewohnen sind sehr fantasievoll gestaltet. Gleiches lässt sich für die komplette Umgebung sagen. Einige Objekte sind verspielt zusammengesetzt, wie es LittleBigPlanet nicht besser machen könnte. In der ersten Welt Nutty Acres etwa, wird die Natur komplett imitiert und riesige Zahnräder lassen falsche Wolken über den Himmel ziehen.
Pimp my Ride, Mumbo Edition – Während in Rennspielen optische Modifikationen zum guten Ton gehören, hebt Schraube Locker dieses Feature auf ein komplett neues Level. Aus etlichen Bauteilen können unfassbare Kreationen in kurzer Zeit erstellt werden. Das einfache Grundprinzip erlaubt realistische Nachbauten genauso wie abstrakte Ausgeburten der eigenen Fantasie. Nichts ist zu normal oder zu ungewöhnlich, um gebaut zu werden. Anfangs gibt man sich mit leichten Änderungen zufrieden, doch je länger das Spiel dauert und je spezieller die Aufgaben werden, umso ehrgeiziger geht man auch an die Schöpfung des perfekten Vehikels.
Harder, better, faster, stronger – Die Herausforderungen sind teilweise wunderbar kreativ und absurd. Aber selbst die diversen Rennen, die sich alle Nase lang wiederholen, werden wie durch einen Voodoo-Zauber nicht langweilig. Bei Zielen die nur mit Müh und Not erreicht werden, schnappt ihr euch das Jiggy und verschiebt die Trophäe auf einen späteren Zeitpunkt. Für Aufgaben die euch besonders gut gefallen, versucht ihr das bestmögliche Gefährt zusammenzustellen, seht euch die Wiederholungen der weltweiten Top Ten an, speichert deren Fahrzeuge ab, lernt daraus und versucht es besser zu machen.
Watching me, watching you – Was nützen die schönsten Kreationen, wenn niemand außer einem selbst sie sehen kann? Auch in diesem Bereich wurde geklotzt und nicht gekleckert. Zum einen erlaubt die eingebaute Screenshot-Funktion Aufnahmen in jeder Situation und aus allen nur erdenklichen Blickwinkeln. Diese Bilder können der Öffentlichkeit zur Bewertung zur Verfügung gestellt werden. Nach jeder absolvierten Aufgabe darf ein Replay gespeichert werden, welches jeder eurer Freunde einsehen kann. Auch die Pläne von erstellen Vehikeln können an Freunde verschickt werden. Im Online-Mehrspieler schließlich ist das Aussehen nicht mehr relevant, hier zählt einzig und allein die Funktionalität. Wer hat die besten Vehikel gebaut, um in den 26 Spielen als Sieger vom Platz zu gehen? Dies ist der ultimative Spielplatz für den Hobby-Ingenieur in euch. Die Befriedigung einen Sieg zu erlangen mit dem eigenen Gefährt, welches von Grund auf mit viel Blut und Schweiß mühevoll zusammengesetzt wurde, kann in Worten nicht ausgedrückt werden.

Nicht gefallen hat uns:
Guten Freunden gibt man eine gute Rolle, oder zwei – War Kazooie in den ersten beiden Spielen unersetzbar, schwingt sie hier nur mehr den “Gravitationsstrahl” (gut, es ist eine der wichtigsten Funktionen im Spiel). Die Kommentare sind wie gewohnt lustig und rotzfrech, die beiden Namensgeber nach wie vor charmant ohne Ende. Doch für eine etwaige Fortsetzung würden wir uns wieder mehr Integration der Hauptdarsteller wünschen.
Ich sehe was, was du nicht siehst – Es wird zwar nicht allzu viel geplaudert, aber alles was gesagt wird, ist entweder relevant oder witzig. Besitzer eines großen LCD Fernsehers haben mit der Sichtbarkeit der Texte keine Probleme, doch Besitzer einer Röhre schauen in eben diese. Ein Patch wurde bereits angekündigt, doch bis es soweit ist, solltet ihr euch über dieses Problem im Klaren sein.
Verdammt ich lieb dich, ich lieb dich nicht – Für einen Titel, der eigentlich jeden ansprechen sollte, ist das Gameplay leider zu speziell. Ein Fahrzeug-Platformer mit Lego ähnlichem Bauelement ist zwar enthusiastisch und trifft bei manch einem auf offene Arme, aber die Innovationen stehen sich selbst im Weg. Das ist kein Problem mit dem Titel selber, sondern spielt sich leider in den Köpfen der Konsumenten ab. Ein Großteil der Fans hatte bei dem Namen einfach andere Erwartungen und wenn diese nicht erfüllt werden, kann das eigentliche Game noch so gut sein.
Jörgs Meinung: Für mich als Fan der beiden Vorgänger war es schon bei der Musik im Titelbild vorbei. Der Soundtrack ist genauso fantastisch und verrückt wie damals. Glücklicherweise gefällt mir auch das eigentliche Spiel ohne Einschränkungen, was leider nicht selbstverständlich zu sein scheint. Wer sich noch unschlüssig ist, spielt die Demo und kann aufgrund dessen den Kauf planen oder es eben sein lassen. Mir hat schon lange kein Spiel mehr so viel puren, unverfälschten Spaß gemacht wie dieses hier. Endlich gibt es mal wieder einen absoluten Knüller für die Xbox 360, der nicht in den Bereich Autorennen, Shooter oder einer Mischung aus den beiden fällt. Mein Tipp: Erwartet nicht die Fortsetzung der N64 Klassiker und geht unvoreingenommen an das Spiel. Akzeptiert es für das, was es ist.

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gamgea.com
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Schnucki
Überbewertet.
Sebastian
Weil?
Klaus
Vielleicht wäre unterbewertet eher angebracht, wenn man sieht, wie viel Häme das Spiel in der internationalen Presse einsacken musste (von einigen Seiten wie 1UP oder IGN abgesehen).
Als ich mich gestern Abend mehr in den dritten Teil eingearbeitet hatte, entfaltete sich die ganze Brillanz des Titels. Mittlerweile bereue ich es etwas, das ganze freie Wochenende für das Original aufgewendet zu haben, ohne dem dritten Teil eine ausführlichere Chance gegeben zu haben. Vielleicht braucht das Spiel eine gewisse Einarbeitungszeit, denn das Konstruieren von Fahrzeugen macht dann erst richtig Laune, wenn man auch eine entsprechende Auswahl an Komponenten hat. Und die Konstruktionsfehler machen sich dann leider immer erst auf der Fahrbahn bemerkbar.
Ich kann es kaum erwarten, heute Abend weiter zu spielen. Demnach sind die Worte von Jörg für mich Balsam.
eichohrkatze
Danke für die Review!
Ihr habt zweifellos Recht, sieht man Banjo & Kazooie S.L. nicht als ein Banjo & Kazooie 3 an sondern als ein eigenständiges Spiel, quassi als den ersten Teil von Max und Moritz, dann ist das Spiel sicherlich ganz ok!
Mir ist klar, das ein Teil des Spiels auf die Wiederspielbarkeit und dem Zauberwort (Prinzip) “User generated Content” ausgelegt ist. Und man zuliebe dessen, als Entwickler, ein sehr großes Risiko eingegangen ist.
Als Videospielfan, ziehe ich vor dem großen Endecker XboxWelt360, meinen Hut und bekunde meinen Respekt, dass Ihr mutig uns Zuhause gebliebenen von der neuen Welt berichtet habt ;) hehe
Ich werde mir auf jeden Fall die alten Banjos auf dem Xbox Marktplatz holen und sobald man das Neuland etwas komfortabler beäugen kann..
uh fast hätte ich mich für meine Kroks geoutet! ;)
cocoman
genau so hätte ich auch ein review für banjo kazooie s. l. geschrieben. das spiel ist atemberaubend und macht unheimlich viel spaß (ja, das sagt ein shooter – liebhaber). neben cod4, halo, gta, left 4 dead, midnight club usw. will man auch mal ein ordentliches jump’n'run, und dank diesem spiel hab ich eins… perfektes spiel