Review / Test:
Meine Tierarztpraxis in Australien
Sie haben es noch einmal getan: Wiederholungstäter dtp young Entertainment veröffentlichten im Oktober bereits den dritten Teil der hauseigenen Tierarzt-Reihe auf Nintendos Handheld. Wir wollten wissen, ob das Gameplay insgesamt eher repetitiv oder offen für Neues ist und haben das Spiel unter die Lupe genommen.
7/10
(Wer mehr über Austalien und seine Tiere lesen möchte, wird nach diesem Link fündig.)
Meine Tierarztpraxis in Australien (Nintendo DS)
Entwickler: Radon Labs
Publisher: dtp young Entertainment
Knappe zwei Jahre ist es her, als zum ersten mal ein Tierarztpraxis-Teil von dtp Young Entertainment auf dem DS das Licht der Welt erblickte. Etwa ein Jahr später erschien bereits der zweite Teil; und zeitlich passend schliesst die Hamburger Firma nun mit dem dritten Spiel in Serie ab. Wichtigstes Merkmal von Meine Tierarztpraxis: Tieren helfen (Wer hätte das gedacht?). Abgebrochene Krallen machen den simplen Anfang, doch auch Arten mit schlimmeren Krankheiten wollen versorgt werden. Man hat mit Parasitenbefall, Mangelerscheinungen und eiternden Infektionen zu tun und muss diese entsprechend behandeln. Wer ein goldenes Händchen für den Beruf hat, darf vom verdienten Geld schon bald seine Praxis ausbauen und die verschiedensten Tiere (Kängurus, Koalabären, Wildpferde, Wombats, Numbats und Dingos) mit ins hauseigene Gehege nehmen. Dort werden dann die persönlichen Fähigkeiten mit noch mehr Feingefühl geprüft.

Was wir mochten:
Grafisches Sahnehäubchen. Der Nintendo DS ist nun wirklich nicht bekannt für ausserordentliche Grafik. Selbst wenn alle Möglichkeiten der Konsole ausgereizt werden, kommt es oftmals zu keinem zufriedenstellenden Ergebnis für die beiden Augen vor dem Bildschirm. Jedoch steht nicht immer nur purer Detailreichtum im Vordergrund: Die Grafik in Meine Tierarztpraxis in Australien überzeugt durch ihren simpel gehaltenen Stil, der hin und wieder sogar an die Pinselstriche eines alten Ölgemäldes erinnert. (Hier ist zu bemerken, dass es sich bei den angefügten Bildern nicht um Screenshots, sondern um Artworks des Spiels handelt. Seltsam: Im gesamten Internet ist kein einziges Ingame-Bild aufzutreiben.)
Lasset uns lernen. Steht eine jüngere Zielgruppe im Mittelpunkt, ist der Lernfaktor eines Spiels von großer Bedeutung. Besonders dann, wenn vorwiegend Eltern in die Tiefen des Geldbeutels greifen dürfen. Wer möchte seinen Kindern schliesslich nicht die größtmögliche Menge Wissen mitgeben, während diese das D-Pad ins Plastikgehäuse hämmern? Das im Wohnzimmer der Praxisräume befindliche Bücherregal beinhaltet Bücher über das Outback, Eukalyptusbäume und die verschiedensten Tierarten Australiens. Bevor also zu Spritze und Verband gegriffen werden darf, muss erstmal eingehend studiert werden, wie Koalabär und Co ihr Leben verbringen.
Geschmackvolle Geräuschwahl. Schön ist es, wenn man sich im Spielgeschehen noch wohler fühlen kann – einzig durch die richtige Wahl der Geräuschkulisse und der untergelegten Musikstücke. So trefft ihr im Spiel nicht nur auf Buschmusik, sondern auch auf realitätsnahe Geräusche aus dem Outback. Schließt die Augen und ihr fühlt euch, als währt ihr auf dem Atlas um etwa 20.000 km in den Südosten verrutscht.
Belohnungen versüßen das Leben. Wir kennen es aus der Tierwelt: Folgt nach harter Arbeit kein Leckerli, streikt das Tier fortan. Ähnlich verhält es sich mit uns Menschen: Wer angespornt wird, der arbeitet fleißig und zielorientiert weiter. Genau aus diesem Grund gibt es nach jeder erfolgreichen Behandlung eines kranken Tieres eine Hand voll Australische Dollar (AUD) auf’s Spielkonto. Diese dürfen allerdings umgehend wieder für Medizin, Futter und den Ausbau des Geheges ausgegeben werden. Fast wie im echten Leben.
Und jetzt noch einmal mit Gebrüll. Der Einsatz des Mikros kommt nicht zu kurz: Tiere, die nicht auf Anhieb heilbar sind, werden mit auf die Pflegestation genommen und für einen Aufenthalt im Gehege oder auf der Koppel vorbereitet. Mit Tamagotchi-ähnlichen Funktionen wird täglich gefüttert, versorgt und gestreichelt. Damit man das arme Tier allerdings zu Gesicht bekommt, gilt es ins Mikro des DS zu pfeifen oder zu sprechen. Dies stößt direkt auf Gehör; und der beruflichen Ausübung steht ab sofort nichts mehr im Wege.

Nicht gefallen hat uns:
Tierarztpraxis DIY. Warum einen sinnvollen Einstieg bieten, wenn es auch ohne geht? Hier und da lässt Meine Tierarztpraxis in Australien seinen Zögling einfach vor dem Nichts stehen. Kryptische Symbole werden nicht erklärt, eine Speicherfunktion nirgends ausgewiesen (es gibt sie!), die Landkarte zwar erwähnt, aber nicht erläutert wie darauf zugegriffen werden kann. Was wir im Laufe des Spiels finden oder verstehen, haben wir uns selbst zuzuschreiben. Erfolgserlebnisse sind zwar vorprogrammiert, aber ein bisschen Unterstützung hätte wirklich nicht schaden können um das Fragezeichen über unserer Stirn in Luft aufzulösen.
Der tiefere Sinn der Pause-Taste. Wir haben bis heute nicht verstanden, welchen Sinn es macht, nach einem Druck auf die Pause-Taste des DS mit der Spielfigur wieder in der Arztpraxis zu landen. Möchtet ihr das Spiel also nur für einige Minuten unterbrechen, so dürft ihr euch danach erneut auf den Weg zum kranken Tier machen. Es ist auch nicht damit zu spaßen, dass am Tagesende (welches scheinbar willkürlich mal um 13, mal um 19 oder um 15:27 Uhr zu sein scheint) – der Bildschirm dunkel wird und das Spiel ebenfalls wieder in der Praxis startet. Und das selbst, wenn ihr gerade einem Koala geholfen habt und noch nicht damit abgeschlossen hattet, den Verband anzubringen.
Kristins Meinung: dtp Young Entertainment bietet den jüngsten DS-Freunden nicht nur ein einziges Tierspiel an. Meine Tierarztpraxis in Australien ist jedoch bei weitem das empfehlenswerteste Spiel dieser Richtung – möchte man seine Cartridges unbedingt vom besagten Publisher beziehen. An einigen wenigen Stellen hätte ruhig etwas geschleift werden dürfen (dann wohl beim nächsten mal…), aber rundum ist für genügend Kurzweil gesorgt. Auch dürfte der australische Kontinent für Kinder ein durchaus interessanter Punkt sein. Hund und Katze kennt jeder von zuhause. Sich aber ab sofort auf der Konsole um Kängurus zu kümmern, ist schon eine kleine Aussergewöhnlichkeit und bringt den benachbarten Zoo sowohl tierfreundlich als auch kinderfreundlich nach Hause.

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