Playstation Home:
Das erste Fazit nach der ersten Million

Simon Lutstorf, 12. Januar 2009 14:50 Uhr, 4 Kommentare Kommentare

Erfolgsmeldung von Sony: Das am 11. September überraschend veröffentlichte Home hat bereits über eine Million US-Dollar erwirtschaftet. Zeit für ein erstes Fazit.

Seit dem 11. September ist Playstation Home in der öffentlichen Beta-Phase. Jeder Playstation 3 Besitzer kann sich das Basisprogramm downloaden und die ersten Schritte in die schöne neue Home-Welt wagen. Laut Sony haben das bereits 3,4 Millionen Gamer gemacht und ‘inworld’ bereits über eine Million US-Dollar ausgegeben. Zwar ist der Zugang und die Benutzung von Home grundsätzlich kostenlos. Aber virtuelle Güter, die man gegen klingende Münze erstehen kann, gibt es in Massen. Kleidungsstücke, Möbel für die eigene Wohnung oder gar ganze Appartments. Geld ausgeben ist in Home einfacher, als man es erwarten würde: Da der User für die Teilnahme sowieso über einen Playstation Account verfügen muss (der meistens auch mit den Kreditkarten-Daten verknüpft ist), geht das virtuelle Shoppen einfach von der Hand.
Ist Home deshalb ein Erfolg? Ausser den diversen Shops gibt es in der virtuellen Welt nämlich noch enttäuschend wenig zu sehen – jedenfalls ist das mein Fazit nach ein paar Stunden mit meinem Avatar. Wer den Schritt in die eigenen vier Wände, den Home-Marktplatz oder das Kino noch nicht gewagt hat, findet nach dem Link einen kleinen Guide zu Sonys ’second life’.

Nach dem Start lädt Home den ersten Raum, den ihr betreten werdet: Euer Appartment. Bevor wir uns aber in den eigenen vier Wänden etwas genauer umsehen, sei eine kleine Einführung in die Eigenheiten des Programms gestattet.

Basics

Ladezeiten: Vor jedem Betreten eines neuen Raumes muss man mit Ladezeiten rechnen (die sich jedoch in Grenzen halten). Der Grund: Sony lässt alle Objekte komplett downloaden und verzichtet auf laufendes Streaming. Das hat den Vorteil, dass die Grafik hübsch aussieht, ohne zu Ruckeln.

Einzig die Texturen der anderen Avatare werden erst nach und nach geladen, da Home zuerst deren individuelle Kleidung und Charaktereigenschaften abrufen muss.

Kommunikation: Natürlich wäre eine virtuelle Welt wie Home wertlos, wenn man nicht mit den anderen Usern interagieren könnte. Nebst diversen Minigames (Schach, Billard, etc.) kann man sich auch ganz normal unterhalten. Das geschieht entweder per Headset, wobei man im Moment leider noch keine privaten Gespräche führen kann. Avatare, die sich in der Nähe befinden, hören also mit. Die andere Möglichkeit ist tippen. User mit USB- oder Bluetooth-Keyboard sind klar im Vorteil, denn das Auswählen von vorgefertigten Phrasen oder gar Tippen mit dem Controller ist für die Katze.

Navigation: Die konservative Methode heisst “zu Fuss gehen”, die alternative: Mit dem Taschencomputer den gewünschen Raum anwählen. Der wird dann sofort geladen.

Das gibts zu tun

Home offeriert dem User sowohl private als auch öffentliche Räume. Im Moment existieren übrigens drei verschiedene Home-Abteilungen für Asien, Europa und die USA. Sie sind voneinander getrennt und erlauben es Sony, zum Beispiel Japan-exklusive Produkte auch nur auf dem japanischen Marktplatz zu bewerben. Es ist jedoch möglich, Freunde von Übersee in die eigene Wohnung einzuladen. Damit wären wir wieder beim…

Appartment: Jeder User hat ein eigenes Appartment. Es besteht aus einem grossen, möblierten Raum – wobei die Inneneinrichtung relativ zu Beginn relativ spartanisch aussieht und nach Ikea riecht. Wer mag, kann sich in diversen Möbelgeschäften aber mit neuen Gerätschaften und Dekor eindecken. Zudem deutet alles darauf hin, dass Games in Zukunft als Bonus zum Beispiel neue Deko-Objekte freischalten. In Japan ist dies beim PS3-Game Namco Museum bereits der Fall.
Das Appartment lässt sich gegen eine Gebühr (ab fünf Euro) auch gegen ein grösseres mit mehr Luxus eintauschen. Natürlich kann man Freunde in seine vier Wände einladen – zum ruhigen Smalltalk oder, wie Sony auch schon angedeutet hat, vielleicht bald auch für gemeinsames TV- oder Filme gucken.

Marktplatz: Quasi die Zentrale von Home. Hier trifft man sich mit anderen Avataren, wagt ein erstes Minigame und betritt die restlichen Räume, die um den kreisförmigen Platz angeordnet sind. Auf grossen Leinwänden laufen kleine Trailer und Videoclips, die man auch in anderen Räumen zu Gesicht bekommt. Ansonsten gibt es auch hier noch nichts zu tun.

Clubs: Das Pendant zu Clan-Homepage – aber in 3D. Fünf Euro kostet das Erstellen eines solchen Clan-Raumes, der Platz für bis zu 30 Leuten bietet. Aus dem Raum heraus kann man prima neue Matches oder Trainings organisieren.

Spielhalle: Der Place to be für Arcade- und Minigame-Spieler. Der Zugang zu Bowling, Billard, Ice-Breaker oder Echochrome (!) ist gratis. Allerdings hat sich Sony hier einen üblen Gamedesign-Fehler geleistet: Anstatt mehrere User an einen Automaten zu lassen, muss man tatsächlich warten, bis ein anderer Zocker diesen frei gibt. Wer erfolgreich spielt, darf aber mit etwas Glück exklusive Goodies und Kleidung für seinen Home-Avatar abstauben.

Einkaufszentrum: Hier lasst ihr eure Kohle liegen. Das Zentrum bietet bis jetzt einige NoName-Produkte, es hat aber auch schon erste Shops mit “realen” Artikeln. Die Shops von Diesel-Jeans & Co. sind allerdings noch nicht alle offen. Der erste Besuch in der Halle verläuft deshalb eher ernüchternd: Entweder der Laden ist noch geschlossen oder man muss Kohle dafür abdrücken. Das erklärt einerseits die Million Umsatz, andererseits auch, wieso 80% der User noch keine Lust hatten, sich am Shopping-Spektakel zu beteiligen.

Kino: Tönt spannend, ist es aber leider nicht. Was Sony mit dem Kino bezweckt, ist mir nicht ganz klar. Man kann sich in einen von mehreren Sälen setzen und Trailer zu aktuellen oder kommenden Kinofilmen betrachten. Auch einige kurze Videos zu Aktuellem von der Playstation-Front gibts zu sehen. Das ist allerdings auch schon alles – und dafür braucht man keinen Avatar und keine 3D-Welt.

Fazit und Ausblick

Home hat mich enttäuscht. Zwar ist das Produkt solide, funktioniert reibungslos – aber wirkt inhaltlich ziemlich unausgegoren. Es gibt schlichtweg zu wenig zu tun. Von den ursprünglich angekündigten Features haben es viele noch gar nicht in die Beta geschafft, andere wurden wohl ersatzlos gestrichen. Hinzu kommt die relativ penetrante Berieselung mit Werbung, Trailern und Markenwelten. Dass Sony dabei Kohle scheffelt, ist von mir aus okay. Aber solange das scheinbar der einzige Grund für das Bestehen von Home ist, wird sich wohl kaum jemand länger als ein paar Stunden damit befassen.

Aber eben: Es ist nur eine Beta. Und es dürfte auch klar sein, dass Sony mit dem Produkt noch vieles vor hat. Einen kleinen Vorgeschmack geben die sogenannten Erlebniswelten: Diese speziellen Räume werben zwar ebenfalls für ein Game oder einen Energy-Drink (wer dürfte hier wohl Sponsor sein?), verknüpfen die Werbebotschaft aber immerhin mit einem zusätzlichen Spiel, etwas mehr Interaktivität oder zumindest einer optisch spannenden Kulisse. In den USA darf man zum Beispiel die Bar aus Uncharted besuchen, die mit eigenen Spielautomaten aufwartet.

Bleibt zu hoffen, dass sich bis zum finalen Release noch etwas tut, zusätzliche Publisher aufspringen und wir einen echten Grund bekommen, Home regelmässig zu besuchen.

» Mehr lesen: Avatare (5), Beta (3), Playstation Home (12), Sony (64), Werbung (125)

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4 Kommentare zu diesem Artikel

  1. Kahni

    schrieb am 12. Januar 2009 um 18:44 Uhr (#)

    ja wie gesagt ist es eine beta und was du uns schön beschrieben hast ist ja schon mal ein guter anfang und bietet mehr als ich in second life gesehen hab und die screenshots sehe auch besser aus.

    das macht mir noch mehr vorfreude auf meine PS3^^

  2. Adi

    schrieb am 13. Januar 2009 um 15:09 Uhr (#)

    ich hab mir home auch runter geladen und kam etwa auf das selbe Fazit. Ich hab mich um gesehen, habe aber keinen Grund gefunden, dort zu bleiben. Werbung kann ich mir auch im TV ansehen. Mal sehen, was aus der Plattform werden soll.

  3. Mario

    schrieb am 13. Januar 2009 um 21:30 Uhr (#)

    reine Abzocke !

  4. Adi

    schrieb am 13. Januar 2009 um 22:34 Uhr (#)

    @Mario
    Ich sehe auch keinen wahren Nutzen darin, mir für CHF 4.00 ein T-Shirt von einem Markenlabel für meinen home-Avatar zu kaufen. Dass Sony damit bereits über 3 Millionen umgesetzt hat, erstaunt mich doch echt.
    Bin ich alt geworden? Ok, ich versteh ja auch nicht, warum ich für einen Klingelton CHF 5.00 ausgeben soll. Insofern…


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